Ja, das geht! Im Schülerstudium an der Goethe-Universität Frankfurt
Sich bereits in der Oberstufe mit wissenschaftlichen Themen auf universitärem Niveau auseinandersetzen? Sich als Schülerin oder Schüler in eine Vorlesung oder ein Seminar setzen und Universitätsluft schnuppern? Schule und Universität gleichzeitig besuchen? – Ja, all das ist möglich mit einem sogenannten Schülerstudium an der Goethe-Universität Frankfurt, welches besonders leistungsstarken und begabten Schülerinnen und Schülern der Oberstufe in fast allen Studiengängen offensteht. Diese Gelegenheit beim Schopfe nehmend, entschloss sich Hlieb Marchenko nach einem Beratungsgespräch mit Frau Schenk im Rahmen der Begabtenförderung, ein solches Studium zum Sommersemester 2026, und damit parallel zur E2 liegend, aufzunehmen. In dem Interview zwischen den beiden lässt sich mehr darüber erfahren.
Frau Schenk: „Hlieb, bevor es mit dem Schülerstudium losgehen konnte, mussten Sie sich zunächst einmal dafür bewerben und kennenlernen, wie das Schülerstudium an der Goethe-Universität in Frankfurt funktioniert. Würden Sie anderen erklären, wie alles abgelaufen ist und wer Sie dabei unterstützt hat?“
Hlieb: „Am Anfang hatte ich von Ihnen, Frau Schenk, die an der Burg für die Förderung der Schülerinnen und Schüler zuständig ist, die Information bekommen, dass es ein solches Programm gibt. Danach musste ich eine Bewerbung schreiben sowie meinen Lebenslauf und meine Zeugnisse einreichen. Außerdem wurde von Ihnen ein Gutachten mitgeschickt. Die Bewerbung hat daher nicht sehr viel Zeit in Anspruch genommen und war relativ unkompliziert. Nachdem ich angenommen wurde, blieb ich weiterhin mit meinem Mentor an der Goethe-Universität in Kontakt.“
Frau Schenk: „Sie belegen in diesem Sommersemester den Kurs „Programmierparadigmen und Compilerbau“ des Fachbereichs für Informatik und Mathematik. Warum haben Sie sich speziell für diesen Kurs entschieden?“
Hlieb: „Als Erstes ist es wichtig zu erwähnen, dass die Auswahl an Fächern aufgrund meines Schülerstatus begrenzt war, obwohl es grundsätzlich mehrere Möglichkeiten gab. Ich persönlich interessiere mich sehr für KI und damit verbundene Themenbereiche. Da in der Informatik viele Bereiche aber sehr eng miteinander zusammenhängen und sich gut ergänzen, habe ich mich für den Kurs „Programmierparadigmen und Compilerbau“ entschieden.“

Frau Schenk: „Was lernen Sie in diesem Kurs? Und was davon fanden Sie bislang am interessantesten oder spannendsten?“
Hlieb: „Der Kurs beschäftigt sich hauptsächlich mit der Programmiersprache „Haskell“ sowie mit der Theorie der Programmierung. Dabei haben wir gelernt, wie unterschiedliche Systeme zusammenspielen und welche Rolle das Ganze in der heutigen Zeit, insbesondere im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz, spielt. Das hat mir besonders gut gefallen, denn unser Dozent versucht die Themen immer so zu vermitteln, dass man ihre Aktualität und praktische Relevanz erkennen kann.“
Frau Schenk: „Durch Ihren Besuch an der Universität erfahren Sie nun, wie das Lernen dort funktioniert. Gleichzeitig sind Sie damit vertraut, wie man im Unterricht der Schule lernt. Ob oder inwieweit unterscheidet sich das Lernen an diesen beiden Orten?“
Hlieb: „An der Universität wird deutlich mehr Eigenverantwortung erwartet als in der Schule. Selbst der Besuch der Vorlesungen ist oft nicht verpflichtend. Wenn man in der Schule bereits gelernt hat, selbstständig zu arbeiten und zu lernen, kann einem das Studium an der Universität sehr gut gefallen, da man sein Lerntempo weitgehend selbst bestimmen kann. Dennoch gibt es sogenannte Tutorien, in denen die Inhalte der Vorlesungen noch einmal besprochen und gemeinsam analysiert werden.“
Frau Schenk: „Selbstständigkeit und Eigenverantwortung scheinen also aus Ihrer Erfahrung heraus wesentliche Unterschiede zu sein. Was schätzen Sie denn am meisten an der Möglichkeit, bereits jetzt an der Universität sozusagen in Teilzeit studieren zu können?“
Hlieb: „Außer dem Fakt, dass ich mich jetzt deutlich besser vorbereitet fühle und bereits weiß, was mich später an der Universität erwartet, bin ich auch der Meinung, dass diese Erfahrung mich in den Augen vieler Universitäten hervorhebt. Dadurch verbessern sich meiner Ansicht nach auch meine Chancen, später an meiner Traumuniversität angenommen zu werden.“
Frau Schenk: „Haben Sie denn auch schon Kontakte zu anderen Studierenden knüpfen können? Und wie ist das Verhältnis zu Ihren Kommilitonen und Kommilitoninnen, da Sie im Gegensatz zu den meisten von ihnen noch zur Schule gehen und vermutlich jünger sind?“
Hlieb: „Das Umfeld an der Universität ist sehr freundlich und offen, weshalb es wegen des Altersunterschieds keine Probleme gibt. Ich wurde von meinen Kommilitonen und Kommilitoninnen gut aufgenommen. Da man während der Vorlesungen jedoch meist nicht viel miteinander spricht, sind die Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen, etwas begrenzt.“

Frau Schenk: „Das ist natürlich nachvollziehbar. So hoffe ich trotzdem, dass Sie andere Gelegenheiten werden nutzen können, um weitere Studierende kennenzulernen. Ich würde gern noch einmal auf Ihren Kurs zurückkommen. Meines Wissens nach nehmen Sie zweimal wöchentlich vormittags teil und verpassen dadurch natürlich Unterricht. Wie schaffen Sie es, die Schule und das Studium parallel zu organisieren, ohne dass eines davon zu kurz kommt?“
Hlieb: „Dabei bekomme ich große Unterstützung von meinen Klassenkameraden und Lehrkräften. Außerdem ist der Unterrichtsstoff in der Schule so gestaltet, dass alle gut mitkommen können. Deshalb ist es nicht allzu schwer, die verpassten Inhalte nachzuholen, besonders wenn man Informationen schnell aufnehmen kann.“
Frau Schenk: „Es freut mich sehr, dass das gut klappt und Sie so toll unterstützt werden. Wenn Sie nun noch bis zum Semesterende blicken: Was erwarten Sie sich von dieser Zeit an der Uni? Und worauf freuen Sie sich schon?“
Hlieb: „Bis zum Ende des Semesters freue ich mich besonders darauf, noch mehr Leute kennenzulernen, da die ersten Wochen für mich zunächst noch etwas ungewohnt waren. Außerdem bekomme ich die Möglichkeit, die Klausur am Ende des Semesters mitzuschreiben. Darauf freue ich mich ebenfalls, weil ich dadurch sehen kann, wie viel ich gelernt habe und wie gut ich mich in dem Fach weiterentwickelt habe.“
Frau Schenk: „Dann drücke ich Ihnen schon einmal die Daumen für die anstehende Klausur! Abschließend wüsste ich gern noch, ob Sie ein solches Schülerstudium auch anderen Schülerinnen und Schülern empfehlen würden und warum.“
Hlieb: „Ich finde, dass es immer eine gute Idee ist, etwas Neues auszuprobieren. Unabhängig davon, ob einem das Leben an der Universität später gefällt oder nicht, ist ein Schülerstudium auf jeden Fall eine interessante und wertvolle Erfahrung. Außerdem kann man dadurch früh Einblicke in das Studium gewinnen und herausfinden, welche Interessen man besonders vertiefen möchte.“
Frau Schenk: „Hlieb, ich bedanke mich für das interessante Interview mit Ihnen und wünsche Ihnen weiterhin viel Freude und ebenso Erfolg bei Ihrem Schülerstudium!“
Hlieb: „Danke!“
Hlieb Marchenko & Ina Schenk









