Große Emotionen im Theater Altes Hallenbad
Ein außergewöhnlicher Theaterabend
Kaum waren die Generalproben abgeschlossen, öffneten sich die Türen des Theaters Altes Hallenbad. Zeit zum Durchatmen oder gar für Lampenfieber blieb kaum. Vor ausverkauftem Haus präsentierten zwei Kurse des Fachs Darstellendes Spiel des Jahrgangs 12 am Burggymnasium Friedberg unter der Leitung von Philip Krause am 2. Juni ihr selbst entwickeltes Stück „Fühl mal!“. Mehr als 200 Zuschauerinnen und Zuschauer erlebten einen außergewöhnlichen Theaterabend, der die Grenzen zwischen Bühne und Publikum verschwimmen ließ.
Emotionen unmittelbar erfahrbar machen
Schon die Eröffnung machte deutlich, dass die Zuschauer nicht nur Beobachter sein würden. Als mehrere Horrorstatuen plötzlich zum Leben erwachten und von der Bühne direkt in den Zuschauerraum sprangen, sorgten sie in den ersten Reihen für einen gehörigen Schrecken. Spätestens in diesem Moment war klar: „Fühl mal!“ wollte nicht nur von Emotionen erzählen, sondern sie unmittelbar erfahrbar machen.
Im Mittelpunkt standen die Grundemotionen Angst, Wut, Trauer, Ekel und Freude. Über viele Monate hatten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam Szenen entwickelt, die sich diesen Gefühlen aus unterschiedlichen Perspektiven näherten. Dabei blieb es nicht bei klassischen Theaterszenen, immer wieder wurde das Publikum aktiv einbezogen. Zuschauerinnen und Zuschauer berichteten live von eigenen Gefühlen oder mussten sich den Herausforderungen von „Evil Ethan“ stellen, der in einer ebenso unterhaltsamen wie unangenehmen „utilitaristischen Gameshow“ sein Publikum auf die Probe stellte.
Wut, Bewegung und intensive Bühnenmomente
Besonders intensiv setzte sich das Ensemble mit der Emotion Wut auseinander. Die Schülerinnen und Schüler beleuchteten Wut als Folge von Überlastung und mangelnder Selbstwirksamkeit, aber auch als Ausdruck verborgener Ängste, die uns dazu verleiten, komplexe Probleme auf einfache Antworten zu reduzieren, statt sich differenziert mit ihnen auseinanderzusetzen. Die Bezüge zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen waren dabei unverkennbar und regten zum Nachdenken an.
Zu den Höhepunkten des Abends gehörte dann aber eine spektakuläre Massenschlägerei. Ohne Vorwarnung stürmte plötzlich das gesamte Ensemble auf die Bühne und begann, sich gegenseitig zu vermöbeln. Was chaotisch wirkte, war jedoch sorgfältig choreografiert, sodass niemand zu Schaden kam. Gerade die Mischung aus Überraschung, Präzision und körperlichem Einsatz beeindruckte das Publikum nachhaltig.
Musik, Licht und Applaus
Für eine besonders dichte Atmosphäre sorgte die musikalische Gestaltung des Abends. Zahlreiche Szenen wurden live von einem Schüler am Flügel begleitet und erhielten dadurch zusätzliche Tiefe. Gleichzeitig setzte die professionelle Lichttechnik des Theaters Altes Hallenbad die verschiedenen Stimmungen wirkungsvoll in Szene und verlieh der Produktion einen professionellen Rahmen.
Am Ende durfte das Publikum in fast 40 stolze und glückliche Gesichter blicken, die sich nach einer abschließenden Tanz-Performance zu Katrina and the Waves‘ 80er-Hit „Walking on Sunshine“ minutenlang den wohlverdienten Applaus abholten. Wenn so viele junge Menschen über Monate hinweg gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten, nämlich dem Publikum, aber auch sich selbst einen fantastischen Theaterabend zu bescheren, entsteht eine Energie, die weit über die Aufführung hinauswirkt.
Burg macht Theater.
Die Kooperation zwischen dem Theater Altes Hallenbad und dem Burggymnasium Friedberg wurde bereits im vergangenen Jahr mit dem Stück „Oma & Opa“ unter dem Motto „Burg macht Theater.“ von der Fachschaft Darstellendes Spiel ins Leben gerufen. Der Erfolg von „Fühl mal!“ bekräftigt das Potenzial dieser Zusammenarbeit, die in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden soll.“
Philip Krause














