Das Schuljahr neigte sich dem Ende zu und für uns stand ein sehr interessantes und spaßiges Projekt auf dem Programm. An einem heißen Sommertag, dem 19.06.2026, besuchten wir, die beiden Biologie-Leistungskurse von Frau Krause-Pohlmann und Frau Rösel-Hillgärtner, das Senckenbergmuseum in Frankfurt, um die Evolution des Menschen hautnah zu erleben. Nachdem wir uns im Unterricht bereits ausführlich theoretisch mit dem Thema „Evolution des Menschen“ beschäftigt hatten, war es nun an der Zeit, den gelernten Stoff und die Meilensteine unserer eigenen Entstehungsgeschichte nicht nur auf dem Papier zu lesen, sondern anhand der ausgestellten Exponate vollständig zu erfassen.

Schülerinnen und Schüler vor der Lucy-Ausstellung im Senckenbergmuseum

Ein Museumstag mit vielen Möglichkeiten

Nach der Ankunft im Senckenbergmuseum war der Plan klar: Damit die Größe des Museums optimal genutzt werden konnte, wurden unsere Kurse in vier kleinere Gruppen aufgeteilt. So konnten die ersten Gruppen direkt mit den Führungen starten, während der Rest das Museum selbstständig erkundete. Das Arbeiten in der hauseigenen Werkstatt war ebenfalls eine Option. Dort konnte man verschiedene Präparate mikroskopieren oder sich auf andere Weise kreativ ausleben. Diejenigen, die nicht in der Werkstatt tätig waren, nutzten die Zeit, um die vielen anderen Abteilungen des Museums zu erkunden – von gigantischen Dinosaurierskeletten bis hin zu faszinierenden Präparaten der Tiefsee war hier alles zu finden. Nachdem die Führungen beendet waren, wurden die Gruppen getauscht, damit jeder das volle Programm genießen konnte.

Was uns mit Menschenaffen verbindet

Die Führung durch Experten des Museums startete vor den Vitrinen der ausgestopften Menschenaffen. Hier wurde direkt der Mythos „Wir stammen von den Affen ab“ aufgeklärt. Tatsächlich stammen wir nicht voneinander ab, sondern teilen gemeinsame Vorfahren. Vor etwa 6 bis 7 Millionen Jahren trennten sich die Entwicklungslinien der Menschen und der heutigen Menschenaffen. Im Unterricht hatten wir bereits gelernt, wie nah uns diese Tiere genetisch und anatomisch sind. Sich dann noch einmal vor Augen zu führen, warum die Trennung stattfand, war der perfekte Einstieg.

Schülerinnen betrachten Skelette eines Schimpansen und eines Menschen in Museumsvitrinen

Zwei Skelette, wichtige Unterschiede

Der nächste Stopp führte uns in den oberen Bereich zu den Skeletten eines Schimpansen und eines modernen Menschen (Homo sapiens). Hier wurden uns die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Anatomie erklärt. Die deutlichen Unterschiede in den Proportionen waren unübersehbar. Wir konnten auf den gelernten Unterrichtsstoff zurückgreifen und die Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten erkennen, beispielsweise bei den Extremitäten. Schimpansen haben längere Arme und kürzere Beine, wohingegen der Homo sapiens längere Beine und kürzere Arme besitzt. Diese Unterschiede beim Homo sapiens sind auf den evolutionär bedingten aufrechten Gang zurückzuführen. Dieser Fortschritt bringt jedoch sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. Ein Nachteil ist beispielsweise das angepasste, schmale Becken des Homo sapiens, das die Geburt erschwert, da der Geburtskanal kleiner und enger ist. Ein offensichtlicher Vorteil ist hingegen, dass unsere Hände frei sind und für andere Tätigkeiten genutzt werden können.

Von „Lucy“ bis zum Homo sapiens

Unser letzter Halt und gleichzeitig das Kernstück der Führung war der Raum mit den verschiedenen ausgestellten Urmenschenköpfen. Dort waren die verschiedenen Zwischenstufen der menschlichen Evolution als lebensechte Rekonstruktionen weitgehend chronologisch ausgestellt. Anhand dieser Ausstellung konnten wir die Entwicklung deutlich besser nachvollziehen, da wir hier echte Gesichter und nicht nur Knochen sahen. Ganz am Anfang stand „Lucy“ (Australopithecus afarensis). Die weit nach vorne gezogener Schnauze und die flache Nase erinnerten noch stark an einen Schimpansen. Ging man jedoch ein paar Schritte weiter, veränderten sich die Gesichter deutlich. Die ausgeprägten Schnauzen gingen immer weiter zurück. Warum? Weil unsere Vorfahren lernten, das Feuer zu nutzen. Wer sein Fleisch kocht, muss nicht mehr stundenlang auf rohen Wurzeln herumkauen, und Beute wurde zunehmend mithilfe von Werkzeugen statt mit den Zähnen verarbeitet. Dadurch bildeten sich die kräftigen Kiefermuskeln zurück. Die Zähne wurden kleiner und weniger spitz, und das Gesicht wurde flacher. Am Ende der Reihe stand man schließlich vor dem modernen Menschen und dem Neandertaler. Diese Köpfe nebeneinander zu sehen, machte einen großen Unterschied zum Schulmaterial. Man begreift dort, dass die Evolution nicht einfach einen Schalter umgelegt hat. Es waren Millionen Jahre der Veränderung und Anpassung, bis schließlich wir, der Homo sapiens, daraus hervorgingen. Zur genaueren Veranschaulichung wurden uns am Ende noch Schädelrekonstruktionen echter Fossilien herumgereicht.

Schülerinnen arbeiten in der Museumswerkstatt mit Stiften an einem großen Tisch
Schülerinnen untersuchen Präparate an einem Mikroskop im Senckenbergmuseum
Schülergruppe erkundet eine interaktive Meeresstation im Museum

Ein eindrucksvoller Tag

Am Ende des Tages schwirrten uns die Köpfe vor lauter evolutionären Meilensteinen, Knochenmerkmalen und Millionen von Jahren. Doch das Fazit war einstimmig: Der Ausflug war extrem spannend, sehr informativ und hat uns allen den Unterrichtsstoff noch einmal anschaulich nähergebracht.

Die Evolution des Menschen ist keine lineare Abfolge, sondern eine faszinierende Geschichte und ein riesiger, wild verzweigter Stammbusch, da sich die Entwicklung ständig in verschiedene Richtungen bewegte, neue Wege einschlug oder Umwege machte. Evolution bedeutet nicht automatisch, dass alles immer besser wird, sondern schlicht und ergreifend die Anpassung an die jeweiligen Lebensbedingungen. Unsere Evolutionsgeschichte ist das direkte Ergebnis unvorhersehbarer Ereignisse sowie sich verändernder Umweltbedingungen und Umweltfaktoren.

Gruppenbild der Biologie-Leistungskurse der Q2 auf der Treppe im Senckenbergmuseum Frankfurt

Von Elea Stachnowski und Luisa Schneider da Cruz

Moorlandschaft während einer Exkursion der Nachhaltigkeitsakademie 2026Schülerakademie 2026: Die Erforschung der psychologischen und soziologischen Hintergründe von Klimawandelleugnern
Post

Aktuelles

Gestalten Sie gemeinsam mit uns Ihre Zukunft.

Lernen Sie am Burggymnasium. Wir freuen uns auf lernbereite und motivierte Schülerinnen und Schüler!