Projektwoche im Schularchiv
Wie funktionierte Schule während der nationalsozialistischen Diktatur? Und lässt sich in den erhaltenen Schulakten erkennen, wie sich die politischen Veränderungen des Jahres 1933 auf den Alltag von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften auswirkten?
Diesen Fragen geht eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der Einführungsphase während der Projektwoche im Schularchiv des Burggymnasiums Friedberg nach. Im Mittelpunkt stehen dabei keine bereits aufbereiteten Darstellungen aus Schulbüchern, sondern originale Dokumente aus der Geschichte der Schule.
Die untersuchten Akten stammen aus der Zeit des Aufbaugymnasiums, einer Vorgängereinrichtung des heutigen Burggymnasiums. Damit forschen die Schülerinnen und Schüler unmittelbar in der eigenen Schulgeschichte. Die Dokumente ermöglichen einen Blick darauf, wie die Schule in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft organisiert war und welche politischen und gesellschaftlichen Veränderungen sich in ihrem Alltag niederschlugen.
Eigene Forschungsfragen
Die Jugendlichen haben sich eigene Forschungsfragen gestellt. Eine Gruppe untersucht beispielsweise, wie sich das Notabitur von 1942 in den Schulakten widerspiegelt. Andere fragen, ob und wie sich die Etablierung der nationalsozialistischen Diktatur und ihrer Ideologie im Schulalltag erkennen lässt.
Dafür arbeiten die Schülerinnen und Schüler unmittelbar mit den historischen Akten. Sie sichten Protokolle, Schriftwechsel, Verordnungen und weitere schulische Dokumente, ordnen die Quellen zeitlich und inhaltlich ein und versuchen, aus den oftmals unscheinbaren Schriftstücken Rückschlüsse auf den damaligen Schulalltag zu ziehen.
Arbeit mit Originalen
Gerade die Arbeit mit den Originalen macht dabei einen besonderen Reiz aus. Papier, handschriftliche Notizen, Stempel und die teilweise Jahrzehnte alte Haptik der Dokumente vermitteln einen unmittelbaren Eindruck davon, dass es sich nicht lediglich um Geschichte aus einem Lehrbuch handelt. Gleichzeitig erfordert die Arbeit mit den historischen Unterlagen besondere Sorgfalt: Die Schülerinnen und Schüler müssen die Dokumente vorsichtig behandeln, genau lesen und sich bewusst machen, dass jedes Schriftstück Teil der Überlieferung der Schule ist.
Was zunächst trocken erscheinen mag – Aktenordner, Verwaltungsvermerke und amtliche Schreiben – wird so zu einer spannenden Spurensuche. Denn hinter den Dokumenten stehen konkrete Menschen und konkrete Entscheidungen. Die Akten können zeigen, welche Vorgaben von staatlichen Stellen an die Schule gelangten, wie die Schule darauf reagierte und welche Veränderungen sich im schulischen Alltag niederschlugen.
Quellen kritisch prüfen
Dabei lernen die Jugendlichen zugleich, dass historische Erkenntnis nicht einfach in den Quellen „steht“. Sie müssen Fragen entwickeln, Quellen kritisch prüfen und verschiedene Dokumente miteinander vergleichen. Erst aus diesem Zusammenspiel entsteht ein Bild der Vergangenheit.
Das Schularchiv als Lernort
Das Schularchiv wird damit selbst zum Lernort: Geschichte wird nicht nur besprochen, sondern anhand originaler Zeugnisse untersucht – und im wahrsten Sinne des Wortes in die Hand genommen.
Die Projektwoche bietet den Schülerinnen und Schülern damit einen besonderen Zugang zur Geschichte ihrer eigenen Schule und ihrer Region. Aus vermeintlich unscheinbaren Akten werden historische Quellen, aus Quellen werden Fragen – und aus Fragen entsteht eigene historische Forschung.













