Was verbindet Hoyerswerda, den NSU und den Anschlag von Hanau? Und wie kann Widerstand gegen Rassismus und Rechtsextremismus heute aussehen? Diesen Fragen gingen 22 Schülerinnen und Schüler der E-Phase während der Projektwoche nach.
Rechte und rassistische Gewalt erscheint häufig als Abfolge einzelner, besonders erschütternder Ereignisse. Dass sich dahinter jedoch eine längere Geschichte mit wiederkehrenden Feindbildern, gesellschaftlichen Konflikten und unterschiedlichen Formen von Gewalt verbirgt, stand im Mittelpunkt des Projekts „Kein Vergeben, kein Vergessen – Der Anschlag von Hanau und rechte Gewalt in Deutschland“.
Rechte Gewalt in einer gemeinsamen Chronologie
Ein historischer Schwerpunkt des Projekts führte von den rassistischen Ausschreitungen in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen über die Brandanschläge von Mölln und Solingen und die Mordserie des NSU bis zu den Anschlägen von Halle und Hanau. In Kleingruppen rekonstruierten die Schülerinnen und Schüler die Ereignisse, beschäftigten sich mit den jeweiligen Opfergruppen und ideologischen Motiven und fragten danach, wie Politik, Behörden und Öffentlichkeit auf die Gewalt reagierten.
Aus den Recherchen entstanden großformatige Plakate, die zu einer gemeinsamen Chronologie zusammengeführt wurden. Zahlreiche weitere Ereignisse ergänzten die vertieft untersuchten Fälle. Gerade die Dichte dieser Zeitleiste machte sichtbar, dass rechte, rassistische und antisemitische Gewalt weder auf einzelne Jahrzehnte noch auf einige wenige bekannte Anschläge reduziert werden kann.
Von der Analyse zum Widerspruch
Das Projekt blieb jedoch nicht bei der historischen Rückschau. Unter dem Stichwort „widerständig sein“ rückte die Frage in den Mittelpunkt, wie Menschen auf Ausgrenzung, Rassismus und Rechtsextremismus reagieren können. Ausgangspunkt war der Song „Keine Angst“ von Danger Dan.
Aus der Auseinandersetzung entstanden Plakate und eigene Gestaltungsideen. Außerdem entwickelten die Jugendlichen erste Überlegungen dazu, wie ein antifaschistisches Jugendfestival in Friedberg aussehen könnte. Damit verschob sich die Perspektive bewusst: von der Analyse vergangener Gewalt hin zu der Frage, welche Formen von Haltung, Öffentlichkeit und Engagement heute möglich sind.
Hanau aus der Perspektive der Betroffenen
Eine besondere Rolle spielte schließlich die Exkursion nach Hanau. Im DGB-Haus nahm die Projektgruppe am Workshop „Gemeinsam stark nach dem 19. Februar“ der Bildungsinitiative Ferhat Unvar e. V. teil.
Im Zentrum standen dabei nicht der Täter und seine Ideologie, sondern die Menschen, die von dem rassistischen Anschlag am 19. Februar 2020 betroffen waren: ihre Erfahrungen, ihre Forderungen und ihr Einsatz für Erinnerung und Aufklärung. Der intensive und offene Austausch hinterließ bei den Schülerinnen und Schülern einen starken Eindruck. Die Rückmeldungen nach dem Workshop waren durchweg positiv.
Unser besonderer Dank gilt deshalb der Bildungsinitiative Ferhat Unvar und den beiden Teamenden für den eindrücklichen Workshop und die ausgesprochen angenehme Zusammenarbeit.
Projektergebnisse präsentieren
Zum Abschluss der Projektwoche wurden die entstandenen Arbeiten den anderen Projekten der E-Phase präsentiert. Die Ergebnisse sollen zudem beim kommenden Tag der offenen Tür noch einmal einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden.
Begleitet wurde das Projekt von Semra Cukadar, Matthias Schäfer, Thorsten Weida und Frederik Ostsieker.















