Ein Vortrag von Michael Keller

am Dienstag, 3. November, um 18 Uhr,
in der Aula des Burggymnasiums Friedberg

zum Thema:

Die frühere US-Kaserne in Friedberg im Spiegel der Zeitgeschichte vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur Schließung 2008

Über mehr als sechzig Jahre waren mehr als 100 000 GIs und ihre Familienangehörige für jeweils mehrere Jahre in Friedberg stationiert. In der Anfangszeit der Ray Barracks waren das Männer wie Colin Powell, der spätere US-Außenminister, und Elvis Presley, der als Rock ’n Roller nach Friedberg kam und als normaler Soldat mit dem Jeep durch die Friedberg Training Area am Winterstein fuhr. Anfang 2000 begegnete man in der Kaserne dem kommandierenden General der 1. US-Panzerdivision Ricardo S. Sanchez, dessen Karriere mit dem Folterskandal von Abu Ghraib endete. Letzter Kommandeur war Michael S. Tucker, dessen militärische Laufbahn im Panzer am Fulda Gap begann und in hohe Kommandoposten in Deutschland, Irak, Afghanistan und Korea führte.

Ihnen standen auf Friedberger Seite Frauen und Männer gegenüber, die in den dramatischen Tagen des Kriegsendes am 28./29.3.1945 die weiße Fahne am Adolfsturm hissten – wie bspw. Anneliese Metzger – oder die – wie Hauptmann Wölk – gegen den erbitterten Widerstand von Nazi-Offizieren die Kapitulationsurkunde unterschrieben. Wenige Tage später musste der erste Nachkriegsbürgermeister Anton Heinstadt, auf der Kühlerhaube eines Jeeps sitzend mit bewaffneten Gis hinter sich, eine Vielzahl von Häusern für die Belegung durch US-Truppen beschlagnahmen.

Nach harten Nachkriegsjahren wurden ab Mitte der fünfziger Jahre aus Besatzern Verbündete. Bei seinem Abschied aus Deutschland schaffte Elvis Presley mit „Muss i‘denn zum Städtele hinaus“ einen Verkaufsrekord.

In den folgenden Jahrzehnten sicherten die Panzer der Ray Barracks und die Raketenstellung oberhalb von Ockstadt das Fulda Gap vor dem befürchteten Angriff der sowjetischen Streitkräfte. Der Besuch von John. F. Kennedy in Hessen wurde zu einer Triumphfahrt. Das Desaster des Vietnamkriegs ließ 1976 die zu Ehren des scheidenden Bürgermeisters auf der Seewiese stattfindende US-Militärparade nicht unberührt. Die Gegendemonstration wiederum wurde in der lokalen Presse scharf kritisiert.

So war das weltweite militärische Eingreifen der Vereinigten Staaten in einer Stadt mit einer US-Garnison nie nur ein fernes Medienereignis. Wenn im Kalten Krieg Sirenen die GIs, von denen viele außerhalb der Ray Barracks wohnten, alarmierten und wenig später die Panzermotoren ansprangen, dann war das in großen Teilen der Stadt zu hören. Die Ereignisse des 9/11 führte viele Friedberger Bürgerinnen und Bürger vor dem Kasernentor zu einer Solidaritätskundgebung zusammen. Was bis 1990 noch Manöverlärm war, wurde im sogenannten war on terror 2003 anlässlich der Parade zur Rückkehr aus dem Kampfeinsatz im Irak Ernst. Auf Stellwänden waren die Fotos der nicht wenigen gefallenen jungen Männer zu sehen.

Die Ray Barracks wurden 2007/08 geschlossen. Ein hoher US-Offizier sagte in einem nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Gespräch: „Friedberg ist der beste Ort, wo wir sein können. Bei dem Einholen der US-Flagge in Gießen – jener Zeremonie, die den Schlusspunkt unter die Geschichte der Ray Barracks setzte – waren Trauer und Bestürzung unter den US-Teilnehmern groß.

Der Eintritt ist selbstverständlich frei!

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