Ein Reisetagebuch über Freundschaft, Klima und den hohen Norden

Was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich im europäischen Kontext? Mit dieser Frage im Gepäck machten wir uns im Rahmen des Erasmus+-Programms auf den Weg nach Finnland. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern aus Italien, Martinique, Tschechien, den Niederlanden und natürlich unseren finnischen Gastgebern wollten wir eine Woche lang nicht nur über Umweltschutz sprechen, sondern ihn aktiv erleben. Was zunächst wie eine gewöhnliche Exkursion begann, entwickelte sich schnell zu einer Reise voller kultureller Begegnungen, überraschender Erfahrungen und intensiver Einblicke in die Zukunft unseres Planeten.

Der lange Weg in den Norden

Unsere Reise begann am Freitagmorgen, dem 1. Mai 2026, am Bahnhof in Friedberg. Zwischen Vorfreude und Müdigkeit machten wir uns auf den Weg Richtung Norden – und merkten schnell, dass diese Fahrt Geduld verlangen würde. Über Kassel ging es zunächst nach Hamburg, wo uns ein Böschungsbrand den ersten Strich durch die Rechnung machte. Doch damit nicht genug: Auch auf der Weiterfahrt nach Kopenhagen sorgte ein Großbrand entlang der Strecke für weitere Verspätungen.

Trotzdem ließen wir uns die Stimmung nicht verderben. Besonders in Erinnerung blieb uns ein irischer Gitarrist im Zug, der spontan ein kleines Konzert gab und unseren Waggon kurzerhand in eine improvisierte Bühne verwandelte.

Nach einer Zwischenübernachtung in Malmö erreichten wir Stockholm. Dort warteten zwar absurd teure Schließfächer im Hauptbahnhof auf uns – offenbar ein Geschäftsmodell nordischer Wegelagerer –, doch der Aufenthalt entschädigte uns schnell dafür. Bei sommerlichem Wetter spazierten wir über Norrström und Söderström bis zum Skinnarviksberget, wo wir gemeinsam picknickten und den Blick über die Stadt genossen.

Die anschließende Fährfahrt nach Turku fühlte sich fast luxuriös an, auch wenn der Check-in zunächst chaotisch verlief und wir kurzzeitig vier Mitschüler im Gedränge verloren glaubten. Vor der Abfahrt versuchten wir noch hektisch, unsere gesamten Essensvorräte aufzubrauchen, weil Schilder an der Gepäckkontrolle die Mitnahme von Lebensmitteln untersagten. Letztlich schien das allerdings niemanden zu interessieren – auf der Rückfahrt konnten wir unsere Taschen problemlos mit Lakritz, Schokolade und finnischem Gebäck füllen.

Den Abend verbrachten wir bei Karaoke und unter dem weiten Sternenhimmel auf dem Deck der Fähre. Viel zu früh wurden wir am nächsten Morgen durch eine Lautsprecherdurchsage geweckt: Wir waren in Finnland angekommen. Von dort brachte uns der Zug vorbei an endlosen Birkenwäldern schließlich nach Hanko.

Hier sieht man den Schriftzug des Hangö-Gymnasiums in Hanko in Finnland.

Ankunft in Hanko: Europa im Kleinen

Am Montag begann das eigentliche Projekt. Das Hangö-Gymnasium, eine wunderschöne alte Schule nah am Meer, wurde für eine Woche unser gemeinsames Hauptquartier. Nach der Begrüßung durch Erasmus-Koordinatorin Joanna Young, den Bürgermeister Simon Store und die Schulleiterin Tanja Koivisto stellten alle teilnehmenden Länder ihre Heimatstädte sowie eigene Nachhaltigkeitsprojekte vor. Dabei wurde schnell deutlich, wie unterschiedlich die Herausforderungen und Lösungsansätze in Winschoten, Martinique, Acquaviva delle Fonti oder Rokycany sind – und gleichzeitig, wie sehr uns das gemeinsame Ziel verbindet.

Um das Eis zu brechen, lernten wir typisch finnische Traditionen kennen. Beim sogenannten „Wife Carrying“ und beim Stiefelweitwurf wurde viel gelacht, angefeuert und ausprobiert. Spätestens dort entstanden die ersten Kontakte zu den anderen Gruppen. Ein besonders eindrucksvoller Moment war die gemeinsame Arbeit an der „Ode an die Freude“. In internationalen Gruppen schufen wir der Europahymne in unsere jeweiligen Sprache einen Text – ein starkes Symbol für die Idee Europas und die Einheit in der Vielfalt.

Auf diesem Bild sieht man Finnland wie aus dem Bilderbuch.

Zwischen Plastikmüll und Meeresbrise

Der Dienstag stand ganz im Zeichen der Ökologie. In einem Vortrag beschäftigten wir uns mit Plastikmüll in den Weltmeeren. Die Zahlen und Bilder waren ernüchternd, doch gleichzeitig lernten wir kreative Wege kennen, mit dem Problem umzugehen – etwa Kunst aus Abfall zu gestalten. Im Workshop „Washed up Wonders“ wurden wir anschließend selbst aktiv. Gemeinsam sammelten wir Müll an den Stränden von Hanko. Obwohl die finnische Küste auf den ersten Blick deutlich sauberer wirkte als viele andere europäische Strände, fanden wir innerhalb kürzester Zeit erstaunlich viel Kleinstmüll, aber auch größere Teile, wie eine russische Milchtüte und eine gelbe Eistee-Verpackung, die noch eine wichtige Rolle spielen sollte!

Am nächsten Tag verarbeiteten wir die gesammelten Materialien unter Anleitung der Künstlerin und Kollegin Johanna Sandin weiter. Aus Plastikflaschen, Zigarettenstummeln und anderen Fundstücken entstanden Collagen und Bilder, die Geschichten erzählten und zum Nachdenken anregten. Die Eistee-Verpackung wurde so zu einem Sonnenaufgang! Eingeleitet wurde der Tag durch einen Besuch des Vorsitzenden des Stadtrats, Edvard Lindfors. Er sprach über konkrete Umweltprobleme in Hanko – etwa Fettablagerungen an den Stränden, die vermutlich durch Schiffe verursacht werden, die ihre Laderäume auf offener See reinigen.

Auf diesem Foto sieht man, wie aus dem gesammelten Müll ein Kunstwerk entsteht.

Kulinarische Weltreise und der Blick auf den Klimawandel

Ein besonderer Höhepunkt der Woche war das internationale Kochfestival am Mittwochabend. In der Schulküche herrschte ein buntes Chaos aus Sprachen, Musik und Essensdüften. Wir Deutschen bereiteten vegane Würstchen mit Kartoffelbrei zu, während an anderen Tischen Focaccia, frittierter Käse, Blaubeerkuchen oder finnische Pfannkuchen entstanden. Das gemeinsame Essen war weit mehr als nur eine Mahlzeit – es wurde zu einem echten Fest der Gemeinschaft.

Am Donnerstag tauschten wir die ruhige Küstenstadt Hanko gegen das geschäftigere Helsinki. Bei strahlendem Sonnenschein besuchten wir zunächst das Ateneum Art Museum. Dort beschäftigten wir uns mit der Frage, wie stark die finnische Natur die Kunst des Landes geprägt hat. Später wurden wir im Naturkundemuseum mit den konkreten Folgen des Klimawandels konfrontiert. Besonders eindrücklich war die Information, dass sich der Frühlingsbeginn in Finnland bereits um etwa zwei Wochen verschoben hat. Auch die Prognose, dass finnische Wälder in hundert Jahren eher mitteleuropäischen Landschaften ähneln könnten, machte vielen von uns bewusst, wie tiefgreifend die Veränderungen bereits sind.

Auf diesem Foto sieht man die Teilnehmenden auf dem Wasserturm.

Abschied mit Gänsehautmomenten

Zurück in Hanko ließen wir den letzten Abend gemeinsam am Strand ausklingen. Bis spät in die Nacht spielten wir Volleyball im Sand, redeten, lachten und versuchten gleichzeitig zu verdrängen, dass die Woche schon vorbei war. Der Abschied fiel uns allen schwer. Was wir aus Finnland mitnehmen, sind nicht nur Informationen über CO₂-Bilanzen oder Müllvermeidung. Viel wichtiger sind die Begegnungen mit Menschen aus ganz Europa, das Gefühl echter Zusammengehörigkeit und die Erkenntnis, dass Nachhaltigkeit keine nationale Aufgabe ist. Egal ob wir aus Friedberg oder Hanko kommen – wir tragen gemeinsam Verantwortung für die Zukunft unseres Planeten. Finnland hat uns gezeigt, wie zerbrechlich unsere Natur ist, aber auch, wie viel Hoffnung entsteht, wenn junge Menschen gemeinsam für ihren Schutz eintreten.

Die lange Rückreise begann für uns am Freitag und endete auf der Fähre nach Stockholm. Um 05:30 Uhr wurden wir auf der Fähre geweckt, ehe wir eine Stunde später Stockholm erreichten. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Altstadt fuhren wir mit dem Zug weiter nach Malmö, wo wir nach der langen Fahrt den Abend in einem indischen Restaurant verbrachten. Bei einem anschließenden Spaziergang entdeckten wir in einem Park eine brennende Mülltonne und alarmierten die Feuerwehr, die das Feuer löschte. Danach besichtigten wir noch das Schloss Malmöhus von außen, bevor der ereignisreiche Tag gegen 22:45 Uhr endete. Am nächsten Morgen setzten wir unsere Heimreise fort: Über Kopenhagen, Fredericia, Flensburg, Neumünster und Kassel ging es schließlich bis nach Friedberg, wo wir am Abend ankamen. Damit endete eine lange, aber spannende Rückreise voller Eindrücke und besonderer Erlebnisse.

Von Jakob Eisenkopf, Jasper Nolting, Anna Viol, Lilly Rongen, Denisa Hajdarevic, Yola Berlenbach, Noah Bösch und Emilia Dietz – redigiert von Thomas Berlenbach und Arno Hesse

 

Auf dem Bild sieht man das Plakat für die DS-Aufführung im Theater Altes Hallenbad am 2. Juni 2026.Aufgepasst und angeschnallt!

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